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Wichtige Fakten, die Sie über Antibiotikareduzierung wissen müssen.

Veröffentlicht am: January 27, 2021
Autor: Biochem Team
Zeit: 7 min read
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Im Laufe der Jahre hat sich die Notwendigkeit der Antibiotikareduzierung in der Tierproduktion zu einem globalen Anliegen entwickelt. Angetrieben durch das Auftreten von multiresistenten Bakterien und die Notwendigkeit eines One-Health-Konzepts haben die meisten Länder inzwischen Gesetze zur Regulierung des Antibiotikaeinsatzes erlassen. Die sich schnell entwickelnden Marktanforderungen und Lösungen der Futtermittelindustrie veranlassen uns, einen neuen Blick auf dieses komplexe Thema zu werfen.

Wofür werden Antibiotika eingesetzt?

Antibiotika sind Substanzen, die in der Lage sind, Bakterien abzutöten oder in ihrem Wachstum zu hemmen. In der globalen Betrachtung gibt es regionale Unterschiede darin, ob sie nur zur Behandlung oder auch zur Vorbeugung von bakteriellen Infektionen eingesetzt werden. Sie lassen sich nach ihren chemischen Eigenschaften und nach ihrer Wirkungsweise einteilen. Für den Einsatz in der Tierhaltung stehen sie meist als Medikamente zur oralen Anwendung über das Futter oder Trinkwasser oder als injizierbare Substanz zur Verfügung. Sicherheit und Wirksamkeit wurden in klinischen Studien nachgewiesen. Veterinärmedizinische Präparate, die Antibiotika enthalten, sind behördlich streng geregelt.

In der Tierproduktion sind Antibiotika für die Behandlung von Krankheiten notwendig. Ihr Einsatz ist in den meisten Ländern durch Zulassungen reguliert. Diese beinhalten Angaben zu

  • den zu behandelnden Tierarten,

  • den Indikationen,

  • der Dauer der Behandlung,

  • der zu verwendenden Dosierung und

  • der Wartezeit.

Die Wartezeit beschreibt die Zeitspanne, die nach der letzten Anwendung des Antibiotikums vergehen muss, bis das Fleisch oder die Milch des behandelten Tieres wieder gefahrlos für den menschlichen Verzehr verwendet werden kann.

Seit Jahrzehnten werden bestimmte antibiotische Substanzen, wie Bacitracin, Carbadox, Salinomycin, Virginiamycin und viele mehr, auch im Tierfutter als antibiotische Wachstumsförderer angewendet. In subtherapeutischer Dosierung eingesetzt, haben diese Substanzen einen positiven Einfluss auf die biologische Leistung von Nutztieren. Durch die Modulation des intestinalen Mikrobioms können sie die Futterverwertung und die tägliche Gewichtszunahme verbessern. In begrenztem Umfang kontrollieren sie auch die Ausbreitung von möglicherweise pathogenen Bakterien im Darm.

Der Einsatz von antibiotischen Wachstumsförderern macht einen erheblichen Teil des weltweiten Antibiotikaeinsatzes in der Tierhaltung aus. Es ist eine etablierte und günstige Möglichkeit, die hohe Mastleistung der Tiere sicherzustellen.

Das Problem der Antibiotikaresistenz.

In den letzten zwei Jahrzehnten hat das zunehmende Auftreten von antibiotikaresistenten Bakterien begonnen, eine ernsthafte Gesundheitsbedrohung für Mensch und Tier darzustellen. Durch den übermäßigen und häufigen Einsatz von Antibiotika haben einige Bakterien Resistenzen gegen eine oder mehrere Klassen von Antibiotika entwickeln können. Dies wird als AMR (antimikrobielle Resistenz) bezeichnet. Das Auftreten von AMR steht im Zusammenhang mit dem starken Einsatz von Antibiotika sowohl in der Tierproduktion als auch im humanen Gesundheitswesen. Vor allem in Ländern, in denen Antibiotika ohne Rezept gekauft werden können oder in denen es keine Behandlungsrichtlinien gibt, werden Antibiotika häufig von Gesundheitspersonal und Tierärzten übermäßig verschrieben.

Einige Klassen von Antibiotika werden sowohl in der Tiermedizin als auch in der Humanmedizin eingesetzt. Durch eine gemeinsame Umgebung, aber auch durch Verschleppung, können sich resistente Bakterien zwischen Tier- und Menschenpopulationen verbreiten, sie haben zoonotisches Potenzial. Infektionen, die normalerweise leicht mit einem Antibiotikum zu behandeln waren, können somit lebensbedrohlich werden.

Abb. 1 Quelle: bioMérieux SA (2020)Abb. 1: Quelle: bioMérieux SA (2020) https://amr.biomerieux.com/en/challenges/from-farm-to-food-to-people-one-health/

Einige Antibiotika wurden als Reserveantibiotika eingestuft. Sie werden oft als Mittel der letzten Wahl bei Infektionen mit multiresistenten Bakterien eingesetzt.

Der Einsatz von Reserveantibiotika, wie zum Beispiel

  • Polymyxine,

  • Cephalosporine der 3. und 4. Generation und

  • Fluorchinolone,

bei Tieren wird zunehmend kritisch gesehen. Einige Gesetzgeber fordern den ausschließlichen Einsatz dieser Substanzen beim Menschen, um das Risiko weiterer Resistenzentwicklungen zu verringern.

Mehr Informationen dazu gibt es hier: https://www.who.int/health-topics/antimicrobial-resistance

Was wurde bisher dagegen unternommen?

Der von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) propagierte One-Health-Ansatz erkennt den Zusammenhang zwischen der Gesundheit von Tier und Mensch an. Um den übermäßigen Einsatz von Antibiotika und die Bedrohung durch AMR zu bekämpfen, ist es notwendig, den umsichtigen Einsatz von Antibiotika in beiden Bereichen zu fördern.

Die Gesundheitsbehörden in der EU haben bereits Ende des letzten Jahrhunderts die Notwendigkeit erkannt, den tierärztlichen Einsatz von Antibiotika zu reduzieren. Der Einsatz von antibiotischen Wachstumsförderern ist in der EU seit 2006 verboten. Seit 2011 überwacht die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) den Einsatz von Antibiotika in ihrem Projekt European Surveillance of Veterinary Antimicrobial Consumption (ESVAC). Ein Bericht wird jährlich veröffentlicht.

Die Überwachung des Antibiotikaeinsatzes, mit besonderem Fokus auf Reserveantibiotika, übt Druck auf die Mitgliedsländer aus, Gesetze zur Regulierung und Begrenzung des Einsatzes umzusetzen. Der jüngste ESVAC-Bericht stellte fest, dass der Absatz von Veterinärantibiotika in den europäischen Ländern zwischen 2011 und 2018 um mehr als 34 % gesunken ist. Zwischen 2011 und 2019 ist der Einsatz von Veterinärantibiotika allein in Deutschland sogar um 60 % zurückgegangen.

Abb 2 Source: European Medicines Agency Science Medicines HealthAbb. 2: Source: European Medicines Agency Science Medicines Health (2011-2018) https://www.ema.europa.eu/en/documents/leaflet/responsible-use-antibiotics-protects-animals-people-2011-2018-sales-antibiotics-veterinary-use-are_en.pdf

Was sind die Herausforderungen?

Da die Europäische Union und auch die USA bei der Reduzierung des Antibiotikaeinsatzes in der Tiermedizin eine Vorreiterrolle einnehmen, ziehen immer mehr Länder nach und verschärfen ihre Vorschriften. Zurzeit bereiten mehrere Länder im südöstlichen Asien ein Verbot antibiotischer Leistungsförderer vor.

In therapeutischen Dosierungen werden Antibiotika häufig zur Behandlung von Verdauungsstörungen eingesetzt. Geschätzt macht dies 50 % der Anwendungen bei Geflügel und etwa 30 % der Anwendungen in der Schweineproduktion aus. Es wird erwartet, dass diese Zahlen mit der Eliminierung von antibiotischen Leistungsförderern steigen werden. Die Darmgesundheit ins Visier zu nehmen, bietet daher ein großes Potenzial für die Reduzierung von Antibiotika.

Das Bewusstsein der Verbraucher für den Antibiotikaeinsatz und auch für den Tierschutz steigt. Der Ruf nach einer Antibiotikareduzierung bietet Marketingmöglichkeiten für Lebensmittelhersteller: Fleisch wird als "NAE" (no antibiotics ever) oder "ABF" (Antibiotika-Frei) beworben. Wir müssen sorgfältig abwägen zwischen der Notwendigkeit der Antibiotikareduktion und der Aufrechterhaltung des Tierschutzes. Die notwendige Behandlung kranker Tiere sollte nicht durch Marktdruck gefährdet werden.

Ein weiterer Markttrend ist die allgemein steigende Nachfrage nach Geflügelfleisch. Besonders in Entwicklungsländern und bevölkerungsstarken Ländern wird Geflügelfleisch immer beliebter. Es wird erwartet, dass dieser Sektor in naher Zukunft deutlich expandieren wird. Aufgrund der hohen Leistung, der kurzen Mastdauer und der effizienten Futterverwertung von Masthähnchen ist Geflügelfleisch auch unter suboptimalen Bedingungen relativ einfach und schnell zu produzieren.

Abb. 3: Daten bereitgestellt von FAOSTAT.Abb. 3: Daten bereitgestellt von FAOSTAT. Die Geflügelproduktion stieg zwischen 2010 und 2019 um fast 30 %.

Welche Lösungen könnte es geben?

Die Futtermittelindustrie hat sich dieser Herausforderung gestellt. Dem potenziellen Leistungsverlust und auch dem Erhalt der Darmgesundheit kann mit effektiven und innovativen Fütterungskonzepten begegnet werden. Es gibt wahrscheinlich nicht einen einzigen Futtermittelzusatz, der die leistungssteigernden Effekte der antibiotischen Leistungsförderer kompensiert. Auf diesem Gebiet wurde umfangreiche Forschung betrieben, die zu einer breiten Palette von Zusatzstoffen und sich ergänzenden Lösungen auf dem Markt geführt hat. Futtermittelhersteller und Ernährungswissenschaftler können diese nutzen und kombinieren, um die Fütterung den regionalen Gegebenheiten entsprechend zu optimieren.  

Einige Beispiele für Futteradditive, die auf die Darmgesundheit abzielen, sind:

  • Probiotika

  • Präbiotika

  • Organische Säuren

  • Phytobiotika

  • Toxinbinder

Von diesen sind Probiotika wahrscheinlich die am besten dokumentierten und am häufigsten verwendeten. Während ihr Nutzen für die Darmgesundheit gut bewiesen und anerkannt ist, erforscht und identifiziert die Industrie kontinuierlich neue Stämme, um ihre Wirksamkeit zu verbessern. Einerseits können sie zur Verbesserung der Tierleistung eingesetzt werden, indem sie die Verdaulichkeit erhöhen und die Entwicklung des Darms unterstützen. Andererseits sind einige Stämme geeignet, um gezielt bestimmte Krankheitserreger zu verdrängen und das Risiko von Darmerkrankungen zu senken, wodurch die Notwendigkeit einer Antibiose reduziert und der Gesundheitsstatus verbessert wird.

Mehr über Probiotika im Allgemeinen erfahren Sie hier. Über die Vorteile von probiotikahaltigen Fütterungskonzepten für die Geflügel-, Schweine- und Wiederkäuerproduktion können Sie hier lesen.

Ausblick auf aktuelle und zukünftige Entwicklungen.

In einigen der Länder mit dem höchsten Anstieg der Geflügelfleischnachfrage sind die Aufzuchtbedingungen für Masthähnchen eher unzureichend. Uneinheitliche Futtermittelqualitäten, schwierige hygienische Bedingungen und ein hoher endemischer Erregerdruck sind einige der Hürden für eine nachhaltige Produktion von Geflügelfleisch ohne übermäßigen Einsatz von Antibiotika.

In der jüngsten Vergangenheit bedrohte die COVID-19-Krise einen bedeutenden Teil des Viehsektors. Die Verschlechterung der Gastronomiemärkte, der Verfall der Fleischpreise und falsche Gerüchte über SARS-CoV-2-Infektionen im Zusammenhang mit dem Verzehr von Geflügelfleisch warfen einen ganzen Industriezweig aus der Bahn.

Werden einige Hersteller wieder auf billige antibiotische Leistungsförderer zurückgreifen, anstatt den Einsatz von nachhaltigen Alternativen beizubehalten? Das mag kurzfristig eine attraktive Lösung für die aktuelle Marktsituation sein. Aber langfristig wird die Investition in hochwertige Fütterungslösungen die einzige Option sein, um gleichzeitig die menschliche Gesundheit, das Wohlbefinden und die Leistung der Tiere sowie die Ansprüche der Verbraucher zu sichern.

Kontaktieren Sie Ihren lokalen Biochem-Vertriebsmitarbeiter, um herauszufinden, wie wir Sie bei der Fortführung und Verbesserung Ihrer Produktion unterstützen können!

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