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  4. 5 Risikofaktoren für Atemwegserkrankungen bei Kälbern

5 Risikofaktoren für Atemwegserkrankungen bei Kälbern

Veröffentlicht am: March 25, 2022
Autor: Biochem Team
Zeit: 6 min read
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Atemwegserkrankungen zählen weltweit zu den am häufigsten auftretenden Problemen in der Kälberaufzucht. Neben Durchfallerkrankungen sind sie eine der wichtigsten Ursachen für hohe Sterblichkeitsraten. In den USA erkranken rund 22 % der Kälber während der Tränkeperiode an der Bovinen Respiratorischen Erkrankung (BRD), welche multifaktoriell bedingt ist [1]. Demnach kann eine Vielzahl an Pathogenen an dem Ausbruch einer BRD beteiligt sein. Hierzu zählen zum Beispiel Pasteurella multocida, Mannheimia haemolytica, Histophilus somni und Mycoplasma bovis, aber auch diverse Viren. Die klinischen Symptome variieren stark, insbesondere vor dem Hintergrund der Beteiligung unterschiedlicher Pathogene bei gemischten Infektionen. Nasenausfluss, Husten, Fieber und Inappetenz sowie Abgeschlagenheit können in unterschiedlichen Ausprägungen von subklinisch bis hochgradig auftreten. Diese unterschiedlichen Schweregrade der Symptome beeinträchtigen das frühe Erkennen der Erkrankung. Allerding ist dies entscheidend, da eine verzögerte Behandlung der Kälber oftmals nicht ausreicht [1] und zu chronischen Lungengewebsveränderung führen kann.

Was sind die Folgen von BRD in der Kälberaufzucht?

Nicht nur die Sterblichkeit steigt, auch weisen erkrankte Tiere geringere Tageszunahmen auf. Zusätzlich benötigen erkrankte Kälber intensive Pflege und verursachen damit einen Anstieg des Arbeitsaufwandes, neben den zusätzlichen Kosten für Medikamente. Indirekte Konsequenzen, die erst zu einem späteren Zeitpunkt sichtbar werden, können folgen. So weisen Kälber, die an BRD erkranken und eine Behandlung benötigen, ein erhöhtes Risiko auf, die Herde bereits vor der ersten oder zweiten Abkalbung zu verlassen [2, 3]. Außerdem ist eine niedrigere Milchleistung während der ersten Laktation bei Milchkühen zu sehen, die während der Aufzucht an BRD erkrankten [2, 3]. Aber nicht nur bei der Aufzucht von Kuhkälbern auf Milchbetrieben spielt die BRD eine große Rolle. Auch in der Mast zeigen sich vermehrt Probleme. Nach Ankunft der wenige Wochen alten Kälber auf dem Mastbetrieb werden diese mit einem breiten Spektrum unbekannter Pathogene konfrontiert. Zusätzlich wird das Immunsystem durch den vorangegangenen Stress infolge des Transports, der Umstallung und der Neugruppierung belastet. Atemwegserkrankungen bei Mastkälbern stehen in Zusammenhang mit reduzierten Gewichtszunahmen. Sofern nach überstandener Erkrankung chronische Schäden am Lungengewebe vorzufinden sind, wird auch darüber hinaus die spätere Leistungsfähigkeit reduziert sein, egal ob es sich um Milchkühe oder Bullenmast handelt.

Welche Kosten können aufgrund von Atemwegserkrankungen entstehen?

Die kurzfristigen Kosten, die aufgrund von BRD entstehen, werden mit $42,15 je Kalb angesetzt[1], dies entspricht je nach Kurs circa 37,60 €. Darin enthalten sind Behandlungskosten (inkl. Entzündungshemmer, Arbeit) und Kosten durch reduzierte tägliche Zunahmen [1]. Alarmierend ist die Tatsache, dass in der zuvor erwähnten Studie 14,7 % der BRD-erkrankten Kälber ein zweites Mal mit BRD auffällig wurden [1]. Schwer einschätzbar sind die zusätzlichen Kosten, welche durch eine reduzierte Milchleistung in der zukünftigen ersten Laktation entstehen können.

Um hohe Kosten zu vermeiden und die Tiergesundheit sowie das Tierwohl zu erhalten, ist es notwendig, die möglichen Risikofaktoren, die eine Atemwegserkrankung begünstigen, zu erkennen und zu minimieren:

  • Ungenügende passive Immunisierung im Anschluss an die Geburt

  • Stress (Futterwechsel, Behandlung, Transport, hohe Gruppenneubildung, hohe Anzahl an Kälbern je Abteil, Neuankunft von Tieren ohne Isolierung/Quarantäne, Durchfall innerhalb der ersten Lebenswochen)

  • Hoher Pathogendruck

  • Umweltfaktoren/ Klima (hohe Feuchtigkeit, sehr kalte oder sehr heiße Perioden)

  • Nährstoffmangel (bereits als Fetus oder/ und nach der Geburt)

Die frühzeitige Identifizierung von erkrankten Kälbern ist wichtig, um die weitere Ausbreitung sowie die Verschlechterung des Zustandes der erkrankten Kälber inklusive möglicher Todesfolgen zu verhindern. Daher sollten Kälber vor allem in stressigen Perioden oder bei bestimmten Wetterbedingungen genau beobachtet werden. Erste Hinweise einer drohenden BRD bei Kälbern sind ein reduzierter Aktivitätsdrang und geringe Futteraufnahmen [4].

Welche Strategien helfen dabei, das Risiko einer Erkrankung zu minimieren?

Wichtig ist ein adäquates Kolostrum-Management, um den Transfer der passiven Immunisierung zu garantieren. Wenn eine unzureichende Menge an Kolostrum oder Kolostrum schlechter Qualität gefüttert wird, besteht das Risiko, dass die Kälber nicht oder schlechter mit verschiedenen Pathogenen oder gemischten Infektionen umgehen können. Somit steigt das Risiko an BRD zu erkranken. Dies könnte auch erklären, warum Kälber, die bereits zuvor das Symptom Durchfall zeigten, ein höheres Risiko haben, später auch an einer Form der Lungenentzündung zu erkranken [5]. Impfstrategien, wie beispielsweise die Impfung von Muttertieren, können zusätzlich helfen, die Sterblichkeitsrate in Zusammenhang mit BRD zu reduzieren [6].

Kälber, die in den ersten Lebenswochen transportiert oder umgruppiert werden, besitzen kein ausgereiftes Immunsystem und sind somit empfänglich für bestimmte Erkrankungen. Dies sollte bedacht werden und dementsprechend sollten andere Faktoren, die Stress auslösen könnten, reduziert werden. Gleichzeitig sollte der Pathogendruck so niedrig wie möglich gehalten werden. Vor allem in der Kälbermast ist eine gute Ventilation wichtig, um die Ammoniakbelastung zu reduzieren. Studien zeigen, dass eine hohe Ammoniakbelastung beispielsweise mit einer höheren antimikrobiellen Behandlung aufgrund von Atemwegserkrankungen einhergehen kann [7]. Auch ist nach einer Diagnose von BRD der Einsatz antimikrobieller Wirkstoffe häufig notwendig. Deshalb sollte es das Ziel sein, respiratorische Erkrankungen bei Kälbern zu reduzieren, um indirekt auch den Verbrauch von antimikrobiellen Medikamenten zu minimieren. Eine Möglichkeit ist beispielsweise, die Gruppengröße zu reduzieren und Neuzugänge vorübergehend zu isolieren, um den Pathogendruck zu minimieren. Ein neues Konzept der „Outdoor Kälbermast“ zeigte, dass die antimikrobielle Behandlung und die Mortalität reduziert werden konnten, nachdem Faktoren im Bereich des Transports, der Gruppierung und des Impfmanagements optimiert wurden [8].

Des Weiteren ist es essenziell, dem Nährstoffbedarf des Kalbes gerecht zu werden. Energie ist unter anderem für die Thermoregulation notwendig und der Energiebedarf steigt in kalten Umgebungstemperaturen. Kälber, die mit bis zu 3,7 l Milch je Tag gefüttert wurden, hatten in einer Studie von Dubrovsky et al. (2019) ein höheres Sterblichkeitsrisiko im Gegensatz zu Kälbern, die mit höheren Milchmengen gefüttert wurden [6]. Auch finanziell kann sich eine Fütterung höherer Milchmengen auszahlen, indem die direkten Kosten, die durch BRD entstehen, reduziert werden können [1].

Wie können wir Kälber in Phasen erhöhter Empfänglichkeit gegenüber respiratorischen Erkrankungen unterstützen?

Zunächst einmal sollte die Widerstandsfähigkeit der Kälber unterstützt werden, um die Ausbildung eines starken Immunsystems zu unterstützen. Ein wichtiger Faktor ist die Fütterung einer ausreichenden Menge Kolostrum von sehr guter Qualität. Zusätzliche Unterstützung kann durch andere Kolostrumquellen in Form von Pasten oder Pulvern geliefert werden. Durchfall sollte verhindert werden und neben Verbesserungen im (Hygiene-)Management können Pro- und Präbiotika darin unterstützen, eine starke und widerstandsfähige Darmmikrobiota auszubilden. Ätherische Öle helfen bei der Prävention von respiratorischen Erkrankungen und unterstützen bei der Abmilderung der Symptome während des Auftretens von respiratorischen Erkrankungen. Denn mithilfe ätherischer Öle kann das Immunsystem des Kalbes stimuliert werden [9]. Außerdem weisen verschiedene ätherische Öle antimikrobielle Effekte gegen bestimme Pathogene in in-vitro Studien auf [10] . Der strategische Einsatz von ätherischen Ölen, kombiniert mit einer Verbesserung des Gruppen-, Fütterungs- und Hygienemanagements, ist eine natürliche und nachhaltige Möglichkeit, das Tierwohl zu steigern.

Abb.1. Ätherische Öle und ihr Einfluss auf das Immunsystem nach Ballou et al. (2019).Abb.1. Ätherische Öle und ihr Einfluss auf das Immunsystem nach Ballou et al. (2019).

Wenn Sie daran interessiert sind, wie man Kälber am besten in kritischen Phasen unterstützt, um bestimme Risikofaktoren zu minimieren, dann kontaktieren Sie uns!

  1. Dubrovsky, S., et al., Preweaning cost of bovine respiratory disease (BRD) and cost-benefit of implementation of preventative measures in calves on California dairies: The BRD 10K study. Journal of dairy science, 2020. 103(2): p. 1583-1597.

  2. Schaffer, A.P., et al., The association between calfhood bovine respiratory disease complex and subsequent departure from the herd, milk production, and reproduction in dairy cattle. Journal of the American Veterinary Medical Association, 2016. 248(10): p. 1157-1164.

  3. Buczinski, S., D. Achard, and E. Timsit, Effects of calfhood respiratory disease on health and performance of dairy cattle: A systematic review and meta-analysis. Journal of Dairy Science, 2021. 104(7): p. 8214-8227.

  4. Swartz, T., A. Findlay, and C. Petersson-Wolfe, Automated detection of behavioral changes from respiratory disease in pre-weaned calves. Journal of dairy science, 2017. 100(11): p. 9273-9278.

  5. Volkmann, N., Sanftleben, P., Kemper, N., Korrelation von Neugeborenen-Durchfall zu späteren Atemwegserkrankungen bei weiblichen Aufzuchtkälbern: Analyse anhand von Behandlungsdaten. Tierärztl. Umschau, 2015. 70.

  6. Dubrovsky, S., et al., Bovine respiratory disease (BRD) cause-specific and overall mortality in preweaned calves on California dairies: The BRD 10K study. Journal of Dairy Science, 2019. 102(8): p. 7320-7328.

  7. Schnyder, P., et al., Effects of management practices, animal transport and barn climate on animal health and antimicrobial use in Swiss veal calf operations. Preventive veterinary medicine, 2019. 167: p. 146-157.

  8. Becker, J., et al., Effects of the novel concept ‘outdoor veal calf’on antimicrobial use, mortality and weight gain in Switzerland. Preventive veterinary medicine, 2020. 176: p. 104907.

  9. Palhares Campolina, J., et al., Effects of a blend of essential oils in milk replacer on performance, rumen fermentation, blood parameters, and health scores of dairy heifers. PloS one, 2021. 16(3): p. e0231068.

  10. Ballou, M.A., E.M. Davis, and B.A. Kasl, Nutraceuticals: An alternative strategy for the use of antimicrobials. Veterinary Clinics: Food Animal Practice, 2019. 35(3): p. 507-534.

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